Über die Jahre habe ich mich immer wieder mit unterschiedlichen spirituellen Themen beschäftigt. Mal waren es Runen, dann Qi Gong, später nordische Mythologie, Erdmagie und Hexentum. Allen diesen Stationen war gemeinsam, dass sie eher nebenbei stattfanden. Ich habe mich damit befasst, wenn ich Lust oder Zeit hatte – aber wirklich tief bin ich nie eingetaucht. Denn echtes spirituelles Arbeiten ist kein Hobby, das man einfach so nebenbei betreibt. Es verlangt Passion, Hingabe und eine gewisse Ernsthaftigkeit.
Viele Jahre stand der Fokus auf meiner Arbeit im Vordergrund – aus gesellschaftlichen Gründen und weil man nun mal leben muss. Das bestreite ich nicht. Irgendwann, noch bevor ich mich ernsthaft mit den westlichen Mysterien beschäftigt habe, wurden kleine Rituale und bewusste Handlungen zu einer Gewohnheit. Das tat mir gut. Besonders das Üben von Dankbarkeit und Akzeptanz. Man wächst allmählich hinein. Mit der Zeit wurde ich neugieriger auf Logen, Freimaurer, Rosenkreuzer und den Golden Dawn. Ich habe mich vorsichtig herangetastet, weil ich etwas suchte, das zu mir passt. Ich dachte damals noch, ich bräuchte keine große Veränderung. Da habe ich mich geirrt.
Es gab nichts, das genau auf mich zugeschnitten war – und das war gut so. Ich habe recherchiert, gelesen und schließlich den Mut gefasst, mich für einen Workshop anzumelden. Ich hatte große Erwartungen und war ziemlich nervös. Über Logen findet man im Internet nur wenig verlässliche Informationen. Ich musste ins kalte Wasser springen. Und genau das habe ich getan. Es war anders als gedacht – und deutlich besser, als ich es erwartet hatte.
Natürlich brauchte es danach auch Commitment. Am Anfang habe ich noch gezögert, weil relativ viel Zeit und Energie notwendig waren. Wieder kamen die alten Fragen: Sollte ich mich nicht lieber auf das konzentrieren, was in unserer Gesellschaft als „normal“ und erfolgreich gilt? Ich habe darüber meditiert und es anhand der Ergebnisse in meinem Leben geprüft. Lohnt es sich wirklich?
Diese Frage selbst sagt schon etwas über die eigene Haltung aus. Muss eigentlich immer alles einen messbaren Nutzen haben? Nebenbei gesagt: Ja, es lohnt sich auf jeden Fall.
Bei den westlichen Mysterien steht der Mensch selbst im Mittelpunkt – mit seiner bewussten Verbindung zum höheren Selbst und zum Göttlichen. Das führt unweigerlich zu der Frage:
Gibt es etwas Höheres, und lohnt es sich, Zeit dafür zu investieren?
Ich habe mir dazu zwei Szenarien überlegt:
Im ersten Szenario glaube ich nicht an etwas Höheres und widme meine Zeit vor allem der Erfüllung gesellschaftlicher Erwartungen und der Anhäufung von materiellen Dingen. Wenn ich eines Tages sterbe, war es das. Alles, was ich aufgebaut habe, bleibt hier.
Im zweiten Szenario gehe ich davon aus, dass es etwas Höheres gibt und es sich lohnt, sich damit auseinanderzusetzen. Sollte ich am Ende falschliegen, habe ich dasselbe Ergebnis wie im ersten Szenario. Sollte ich aber richtigliegen, habe ich nicht nur ein anderes Ergebnis, sondern auch einen anderen Weg dorthin gehabt – einen Weg der persönlichen Entwicklung, der Minderung des Egos und der Annäherung an mein höheres Selbst.
Für mich persönlich hat sich gezeigt, dass die Arbeit mit den Mysterien mir Werkzeuge an die Hand gibt, die mich in vielen Lebensbereichen weiterbringen. Ich lerne, Situationen aus einer anderen Perspektive zu sehen, andere Menschen besser zu verstehen und meine Handlungen bewusster am Höheren auszurichten. Es ist nicht immer einfach, aber es ist ein Prozess, der mir Freude macht und mir das Gefühl gibt, eingebunden zu sein in etwas Größeres.
Es lohnt sich!


