Tarot und der Baum des Lebens – Eine persönliche Annäherung
Im Buch von Aleister Crowley „The Book of Thoth” wird im Kapitel über „Eliphaz Levi“ und das Tarot geschrieben: „He seems to have understood that the Tarot was actually a pictorial form of the Qabalistic Tree of Life, which is the basis of the whole Qabalah, so much so that he composed his works on this basis.“ [„Er scheint begriffen zu haben, dass das Tarot eigentlich eine bildliche Darstellung des kabbalistischen Lebensbaums war, der die Grundlage der gesamten Kabbala bildet, und zwar in einem solchen Maße, dass er seine Werke auf dieser Grundlage verfasste.“]
Weiter steht in der „Summary of the questions hitherto discussed“ [„Zusammenfassung der bisher erörterten Fragen“]: „2. It is beyond doubt a deliberate attempt to represent, in pictorial form, the doctrines of the Qabalah. 3. The evidence for this is very much like the evidence brought forward by a person doing a crossword puzzle. He knows the “Across“ clues that his word is “SCRUN blank H”; so it is certain, beyond error, that the blank must be a “C”.” [„Die Beweislage hierfür ähnelt stark derjenigen, die jemand vorbringt, der ein Kreuzworträtsel löst. Er kennt die „Quer“-Hinweise, wonach sein Wort „SCRUN Lücke H“ lautet; daher steht zweifelsfrei fest, dass die Lücke mit einem „C“ gefüllt werden muss.“]
Nicht nur Eliphas Levi, sondern auch Aleister Crowley kamen zum Schluss, dass das Tarot eine enge Verknüpfung mit dem Baum des Lebens hat.
Der Lebensbaum im Tarot
Rudolf Bernoulli schreibt im Eranos-Jahrbuch II: „Nun wird aber das Bilder- und Zahlensystem des Tarot auch in Beziehung gesetzt zur Kabbalah. Die 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets finden sich gelegentlich auf den 22 Bilderkarten.“ Weiter: „Dass sie an den Emanationsgedanken, das stufenweise Heruntersteigen des schöpferischen Geistes bis zur letzten Verfestigung der Welt anknüpfen,…“.
Die 22 Pfade des Lebensbaums repräsentieren die Qualitäten der Trumpfkarten. Die kleine Arkana spiegelt die einzelnen Sefirot wider – angefangen mit den Assen in Keter und den Zehnern in Malkuth.
Diese Zuordnung passt sehr gut. In der Golden-Dawn-Tradition sowie bei Aleister Crowley wird das Ass der Stäbe zum Beispiel als „Root of the powers of fire“ bezeichnet. Eine große Kraft also, die den Qualitäten von Keter im Feuer-Aspekt entspricht.
Für mich fühlt sich diese Verbindung zwischen Tarot und Baum des Lebens stimmig und gerechtfertigt an. Wer sich eingehender mit dem Tarot beschäftigt, kommt fast zwangsläufig mit dem Baum des Lebens in Berührung.
Meine Entwicklung mit dem Tarot
Bevor ich mich mit den Mysterien und auch mit dem Tarot auseinandergesetzt habe, hatten die Tarotkarten eine ganz andere Bedeutung für mich. Weil ich es schlichtweg nicht verstanden habe. Ich habe verschiedene Legemuster gemacht, Tageskarten gezogen etc. – so wie das viele machen. Dann habe ich die Resultate mit den Booklets geprüft. Das wars.
Erst durch das vertiefte Studium des Tarots mit sachkundiger Anleitung habe ich für mich folgende Aspekte feststellen dürfen, an die ich mich noch heute halte:
- Tarotkarten sollten mit Respekt behandelt werden. Es sind keine Spielkarten, die man einfach in einer Kiste verschwinden lässt.
- Das Tarot sagt keine Zukunft voraus. Niemand kann die Zukunft voraussehen.
- Die Tarotkarten repräsentieren verschiedene archetypische Qualitäten. Wenn wir eine Karte sehen, verarbeitet unser Unterbewusstsein bereits gewisse Informationen.
- Die Karten zeigen mir eine Situation in Relation zur gestellten Frage. Sie sagen nicht, was passieren wird, sondern wie es gerade aktuell ist. Sie geben mir die Möglichkeit, meine Lage zu erkennen, darüber nachzudenken oder zu meditieren und entsprechend zu handeln.
- Im rituellen Kontext ist das Tarot eine sehr starke Kraft. Diese Tatsache sollte man respektieren.
- Je mehr Einblicke ich gewinne und je mehr ich mich damit auseinandersetze, desto besser verstehe ich meine Situation oft auch ohne Tarotkarten. Sie sind ein wertvolles Entwicklungswerkzeug.







